An diesem Sonntag stand das Bike-festival in Willingen mit dem dazugehörenden Marathon an. Wir reisten bereits am Freitag abend an, so das wir am Samstag genug zeit hatten einen Teil der Strecke zu erkunden, und hinterher auch noch das XC-Worldcup rennen anzusehen. Schon beeindruckend wenn man sieht wie die die Berge raufballern. Vor allem eine Steigung hatte es in sich., und während ich da so stand und mir ansah wie die Fahrer sich da so raufquälten, machte ich mir schon gewaltig Gedanken, wie ich da wohl rauf kommen soll, vor allem da ich bis dahin schon 100 km auf dem Marathon hinter mir habe.
Da ich im letzten Jahr bereits gefahren war, wußte ich was auf der Strecke auf mich zukam. Die ersten 52 km auf der kleinen Runde, war eher untechnisch und einfach. Auch hatte die kleine Runde nicht besonders viele Höhenmeter, so das hier ein hohes Tempo gefahren wird. Auf der hierauf Folgenden Mittleren Runde wird es dann richtig schwer, hier kommen die langen anstiege, und auch technisch wird die strecke hier deutlich anspruchvoller. Zum Schluß auf der letzten Runde wird es dann wieder etwas einfacher. Dieser Teil ist dann nicht mehr so schwer wie der mittlere, aber einfach wird es auch hier nicht.

Am Sonntag erfolgte der Start um 7:30, ich stellte mich um 7:00 Uhr in meinen Startblock, und war so im ersten drittel des B Startblockes. So hatte ich Hoffnung dieses Jahr nicht auf den ersten Kilometern im Stau stecken zu bleiben.
Pünktlich um 7:30 erfolgte der Start, zu beginn ging es mit fast 60km/h durch Willingen, und dann auf der Strasse Bergauf aus Willingen hinaus. Ich fand hier recht schnell meinen Rhythmus, und ließ mich nicht von den anderen Fahrern beeinflussen. Da vorher nicht feststeht welche Runde die einzelnen Fahrer fahren, ist hier die Gefahr sehr groß sich mitreißen zu lassen, und so wohlmöglich zu schnell anzufangen. Immerhin wollte ich ja die ganz große Runde mit 130 km hinter mich bringen. So arbeitet ich mich mit meinem Tempo langsam weiter nach vorne. Schon recht schnell mußte ich feststellen, das mit meinem mittleren Kettenblatt irgend etwas nicht stimmt, sobald ich auf dieses Kettenblatt schaltete verklemmte sich die Kette. Ich mußte also entweder auf dem großen oder dem kleinen Kettenblatt fahren. Die Kilometer gingen recht zügig dahin, und man konnte zwischenzeitlich immer wieder in kleineren Gruppen fahren, die sich aber meist in den Abfahrten wieder trennten. Die erste Verpflegung bei Kilometer 30 ließ ich einfach links liegen. Ich griff mir nur schnell was zu trinken, aber hatte noch genug dabei, um bis zur zweiten Verpflegung zu fahren. Bis hier war Christian immer in meiner nähe gewesen. Er wollte allerdings nur die kleine Runde fahren. Bei Kilometer 37 trennten wir uns. Er konnte mein Tempo wohl nicht weiter mitfahren.
Bei Kilometer 40 merkte man wer nur die Kurzstrecke fahren wollte. Diese Fahrer wurden spürbar aggressiver und unruhiger beim fahren, da sie ihrer Gegner langsam abhängen wollten. Ich versuchte mich aus allem heraus zu halten und mein Tempo weiter zu fahren.. Bei der Zieldurchfahrt konzentrierte ich mich darauf das ich den richtigen Abzweiger für die nächste Runde erwischte. Dabei habe ich die Verpflegung übersehen. Dies bemerkte ich erst als ich aus dem Zielbereich heraus kam, und keine Verpflegung zu sehen war. ich hatte erwartet das sie die Verpflegung nach der Zieldurchfahrt machen, das war aber nicht so. Da es nun zu spät war, fuhr ich einfach weiter. Ich machte mir noch nicht so sehr Gedanken darüber. Nun galt es den Ettelsberg und Langenberg zu bezwingen. Als es in den ersten Anstieg nach der Zieldurchfahrt ging, schaltete ich nicht schnell genug vom großen auf das kleine Kettenblatt, so das sich erneut die Kette verklemmte, diesmal aber nicht nur vorne sondern leider auch hinten zwischen Ritzel und Speichen. Ich brauche einige Minuten um die Kette hieraus wieder zu befreien (zum glück haben die Speichen gehalten, und es gab nur ein paar Kratzer). Nun wurde die Strecke deutlich schwere. Es sollten mehrer längere Anstiege bewältigt werden, darunter auch der Ettelsberg und der Langenberg, die zu den Höchstens Bergen in der nähe gehören. Da ein großer teil der Fahrer nun auf der Kurzstrecke abgebogen war, waren nun deutlich weniger fahren zu sehen. ich konnte hin und wieder einige fahren sehen, war aber zu einem großen teil alleine auf der Strecke unterwegs. Durch die verklemmte Kette hatte ich leider den Anschluß an die beiden mit den ich vorher unterwegs war verloren. Ich versuchte nach Möglichkeit immer Fahrer in sichtweite zu behalten, um zu verhindern das ich ohne es zu merken langsamer werde. Die Abfahrten waren ähnlich wie auf der kleinen Runde, meist waren es Schotterwege, die sehr schnell und leicht zu fahren waren. Bei Kilometer 65 etwa merkte ich das mir die Verpflegung fehlte. Ich hatte mittlerweile fast meine ganzen Reserven die ich im Trikot bei mir hatte aufgebraucht, und auch zu trinken hatte ich nicht mehr so viel. Ich befürchtete schon ich würde mir einen Hungerast fahren. Daher beschloss ich etwas das Tempo raus zu nehmen um so bis zu nächsten Verpflegung zu kommen. Ich mußte dann eine Gruppe von Fahrern bzw. Fahrerinnen vorbeiziehen lassen. Das Tempo war in dieser Gruppe zu schnell. Es sollte sich aber herausstellen, das die beiden Frauen den ersten und zweiten Platz auf der Mitteldistanz machen sollten, daher war das tempo bei Kilometer 75 wahrscheinlich auch so ungleichmäßig. Bei Kilometer 80 hab ich dann endlich die Verpflegung erreicht. Die Verpflegungsstation war super ausgestattet. Es fehlte an nichts, von Bananen, Kuchen und iso bis zu Energieriegeln und Energiegels war alles zu bekommen. Ich füllte also meine Flaschen auf, und auch die Trikotaschen stopfte ich mit riegeln und Gel voll. nach der Verpflegung begann erneut ein Anstieg der aber nicht so steil war, so das ich genug Zeit hatte um einige Riegel und Gel zu mit zu nehmen. Ab hier hatte ich dann nicht mehr das Hunger gefühlt im Bauch, an hier war mir dann eher übel. Ich nehme an der Magen hat es nicht so gut verkraftet das er erst so wenig und dann recht viel auf einmal bekam. Aber na ja war ja meine schult, und so schlimm war es dann auch wieder nicht. Von hieran holte ich langsam wieder Fahrer ein. Die letzten 20 km bis zum ende der mittlere Runde hatten es dann auch noch mal richtig in sich. Die Anstiege waren meist recht lang und sehr steil, so das man im ersten gang mit etwa 5km/h dort hochkurbeln mußte. Kurz vor ende der mittleren Runde ging es dann einige Hundert Meter durch einen Singelrail der am Vortag schon beim Worldcup gefahren wurde. Wenn ich mich recht errinere hab ich 5 mal auf dem Hintern gesessen, und das obwohl ich das Rad so wie alle anderen durch den Trial geschoben habe. Hier war wirklich kein fahren mehr möglich. Nach dem Trial war die mittlere Runde dann fast geschafft, bei der Zieldurchfahrt konnte ich die Verpflegung wieder nicht sehen, da ich aber noch genug im Trikot hatte, und auch die Flaschen noch voll waren, bin ich ohne viel Suchen weitergefahren. Schon auf den ersten Metern bekam ich Zweifel ob es die richtige Entscheidung war. Vor dem Marathon hatte ich von vielen seiten gehört das die letzte Runde kein Problem sei, wenn man die mittlere überstanden hat. Direkt nach der Zieldurchfahrt mußte man über eine Steile wiese den Berg hinauf, hier war am Vortag der Downhill vom XC gewesen. Direkt danach ging es den steilen Schotterweg hinauf, an dem ich beim Worldcup zugesehen hatte. Hier war wieder kein fahren möglich, ich mußte von Anfang an schieben. Etwa auf der hälfte des Anstiegs lag ein Fahrer flach auf dem Rücken und stöhnte vor sich hin. Ich fragte ihn ob alles klar sei, und er bestätigte mir nur kurz das er in beiden Beinen Krämpfe hätte, und gleich zurückfahren würde um sich für die Kurze Runde werten zu lassen. Nach diesem schweren Anfang ging es ein wenig leichter weiter. Die Anstiege waren zwar immer noch sehr steil, aber nicht mehr so lang wie auf der mittleren Runde. Dafür wurde man an einigen Stellen mit einem Super Sicht auf die Landschaft beloht. Ich konnte vor mir einige Fahrer sehen, aber leider konnte ich nicht näher an sie heran kommen. Die Kilometer schienen immer langsamer zu verlaufen, und ich erwischte mich immer häufiger dabei nach dem Kilometerstand zu gucken. Die Anstrengungen der letzten 6 Stunden machten sich deutlich bemerkbar, und es wurde wirklich schwer sich weiter voranzutreiben. Aber nach jeder Abfahrt kam dann wieder einer dieser Anstiege. Ich versuchte mich auf die beiden Fahrer vor mir zu konzentrieren. Etwa 10 km vor dem Ziel kam dann noch ein mal ein Wurzel/Matsch-Trail. Hier mußte erneut einige Meter geschoben werden, da die Strecke sehr ausgefahren war. Danach ging es wieder Bergauf. Ich fing an mich zu fragen ob einer derjenigen die mir gesagt hätten das man die letzte Runde problemlos fahren könnte, überhaupt schon mal die ganze Strecke gefahren sei. Irgendwann rief mir dann nach einem Anstieg ein Streckenposten zu, das ich es geschafft hätte, und es nun nur noch geradeaus und Bergab ging. Plötzlich war alles wieder gut, die Beine wollten wieder, und er hatte sogar recht. Mir viel Schwung nahm ich die letzte Abfahrt unter die Stollen, und schneller als ich gucken konnte war ich schon am Ortseingang in Willingen. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir das ich nun 6:58 unterwegs war. leider war der Weg bis zum Ziel zu lang um die 7 Stunden noch zu erreichen. Im Ziel hatte ich dann eine Zeit von 7:03 und 129 km auf meinem Tacho. In meiner Wertung lag ich auf Platz 35, womit ich bei so einem großen Starterfeld wirklich zufrieden war. Mit dem Wetter hatten wir noch einigermaßen Glück gehabt, der Boden war zwar sehr tief, und dementsprechend schwer zu fahren war es, aber es hat wenigstens nicht geregnet.

Felix

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