An diesem Sonntag stand die Marathon Europameisterschaft auf dem Programm. Diese sollte im Rahmen des Spessart Bike Marathons ausgetragen werden. Ich bin diesen Marathon schon im letzten Jahr gefahren, und wußte das die schöne Strecke mit ihren 120 km und über 3300hm zu den sehr langen und schweren Marathons gehört.

Der Start war morgens um 8 Uhr. Es wurde sich in einer Seitenstrasse aufgestellt, und ging dann auf einer Breiten Strasse durch Frammersbach hindurch. Hier war dann der Offizielle Start (fliegender Start).

Schon im Ort ging es richtig zur Sache, da schon kurz nach dem Start den ersten Berg auf einem schmalen Asphaltweg hinein ging. Alle Fahrer versuchten sich gut zu Plazieren, um so nicht dort schon im Stau zu stehen. Mir gelang es ganz gut hier hinein zu kommen, und fuhr mit dem Feld in den ersten Berg. Leider funktionierte mein Pulsmesser zu diesem Zeitpunkt mal wieder nicht. Dies passiert zu beginn eines Rennens leider häufig, da einfach zu viele Fahrer mit Pulsmieser auf einem Fleck stehen.

Der erste Berg und die erste Abfahrt, waren noch auf recht breiten Wegen, da hier das Feld noch ziemlich dich unterwegs ist.
Für mich verging der erste Ansteig wie im Flug. Durch die Rennhektik zu beginn bekommt man sowenig mit, das auf die Zeit recht schnell vergeht.
Nach ca. 25 Minuten war auch die erste Abfahrt schon geschafft. Her ging es dann in den zweiten Anstieg hinein. Das Feld hatte sich nun etwas auseinander gezogen, und es kehrte bei mir auch etwas ruhe ein. Ich merkte das ich die ersten Km etwas über meinem Limit gefahren bin, und wollte nun versuchen in meinen Rhythmus zu kommen. Als erste Startet ich meinen Pulsmesser neu. Jetzt versuchte ich meinen Rhythmus zu finden. Dies gelang mir auch schon nach kurzer Zeit.

Dieser Anstieg führt auf einem breiten Schotterweg den Berg hinauf. Das Feld sortierte sich hier weiter. Einige schnellere Fahrer fuhren vorbei (einige von den werde ich heute noch wieder sehen :) ) . Auch fallen jetzt schon die ersten Fahrer zurück ,die offensichtlich im ersten Anstieg deutlich zu schnell gefahren waren. Es bildeten sich hier kleinere Gruppen aber ich versuchte weiter mein Tempo zu fahren, dabei hatte ich immer den Pulsmesser im Auge, um nicht zu schnell zu fahren. Nach diesem Anstieg folgte die erste Abfahrt. Teilweise ging es auf Breiten wegen Bergab, hier versuchte man mit mehreren Fahren gemeinsam das Tempo zu machen und sich im Wind abzulösen. Ich ruhte mich im Windschatten aus, um für den nächsten Anstieg Kräfte zu sparen.
Nun begannen die technischen Abfahrten, sie waren recht Steil, schnurgerade und mit Wurzeln, Steinen und Bodenwellen gespickt. In den letzten Jahren hatte ich immer Probleme an anderen Fahrern dran zu bleiben, wenn es in die Abfahrten ging, Meist verlor ich hier deutlich Zeit. Diese Jahr hatte ich diese Probleme nicht mehr. Mein neues Rad liegt offensichtlich viel besser in solchen Abfahrten. Es ließ sich Problemlos kontrollieren, und ich konnte den Fahrern um mich herum folgen.

Nach der Abfahrt ging es dann schon in den nächsten Anstieg hinein. In diesem Anstieg orientierte ich mich wieder weiter nach vorne. Ich wußte das ich am Berg wieder sehr gut bin, und fühlte mich heute auch gut. Ich fuhr nun langsam nach vorne, ohne jedoch meinen Pulsmesser aus den Augen zu lassen. Oben angekommen, war dann die erste Verpflegung. Ich ließ mir eine neue Flasche anreichen, und griff auch noch einen Energieriegel, bevor es in die nächste Abfahrt ging. Diese war wieder sehr technisch, ich konnte ab wieder gut das Tempo der anderen Fahrer mitgehen. Hier erledigte es sich allerdings schon wieder mit meiner neuen Flasche, den diese wollte wohl nicht in meinen Flaschenhalter halten. Ich hatte also nur noch eine 3/4 volle Flasche um zur nächsten Verpflegung zu kommen.

Nach dieser Abfahrt folgt nun „mein“ Anstieg. Es ging über etwa 5 km gleichmäßig auf Asphalt den Berg hinauf zu einem Staubecken. Ich hatte diesen Anstieg noch zu gut in Errinderung. Ich wußte das dies der Anstieg war der mir am besten lag. Ich machte meine Gabel zu und versuchte das Tempo leicht anzuziehen. Die Fahrer mit den ich gemeinsam unterwegs versuchten nicht lange an mir dran zu bleiben. Nach und nach kassierte ich weiter Fahrer. Irgendwann hatte ich dann zwei erreicht die das Tempo mit mir zusammen fahren konnten. Gemeinsam zogen wir weiter hinauf. Zum Schluß ging es noch mal 100m eine sehr Steile „Rampe“ hinauf. Bis man dann endlich dieses Staubecken erreicht hatte. Hier fuhr man auf dem Rand halb um das Becken herum, bevor es in die nächste Abfahrt ging.

Die Abfahrt war zu beginn wieder sehr schnell und auf einem Breiten weg, bevor es dann wieder in einige technische Passagen hinein ging. Zwischendurch kam man an der nächsten Verpflegung vorbei. Hier schnappte ich mir zwei neue Flaschen, die alte Flasche hatte zum glück gerade so gereicht. Ich konnte gemeinsam mit den beiden Fahrerein hohes Tempo Fahren. Wir wechselten uns gleichmäßig ab, und arbeitetn uns weiter nach vorne.

Nach der Abfahrt ging es in einen Ort hinein. und hier war wieder die verdächtige Cola-Verpflegung. Diese stand auch schon im letzten Jahr kurz vor dem Grabig. Nach der Verpflegung ging es noch durch einen Ort hindurch und dann 90° um eine Hausecke. Plötzlich steht man vor einen Asphaltwand, dem Grabig. Hier geht es über einige Hundert Meter mit 23 % Steigung einen Berg hinauf. Die Stimmung in diesem Anstieg ist der Hammer. Hier hatten sich etwa 1500 Leute versammelt, Man konnte sein eigens Wort nicht mehr verstehen. Die Zuschauer ließen den Fahrer nur eine kleine Gasse um hier hinauf zu fahren. Ich fuhr dieses Stück wieder mit Gänsehaut, es ist einfach überwältigend. Man wird den Berg förmlich hinaufgebrüllt. Vor mir fuhr ein Fahrer, an dem ich vorbei wollte. Ich versuchte so laut wie möglich im zuzurufen, das er mich vorbeilassen sollte, aber er konnte mich einfach nicht verstehen, die Zuschauer waren zu laut. Nach dieser Passage fing der Berg aber erst wirklich an. Der gesamte Anstieg hatte mehr als 5 km, und es waren jetzt nur einige hundert Meter geschafft. Dieser Anstieg war technisch Anspruchsvoller als die andern. Es ging Teilweise auf sehr steilen Wurzelpfaden den Berg hinauf.
Die Abfahrt war nicht zu schwierig, so das man auch hier sehr schnell unterwegs war. In der Abfahrt zum Start/Ziel bereicht gab es dann noch einen kurzen Zwischenanstieg auf Asphalt. Dieser wird erst in der nächsten Runde eine Rollte spiele.

Nun ging es die letzten Meter hinunter zum Start/Ziel Bereich um dann auf die zweite Runde zu gehen. An der Verpflegung im Start-Ziel bereich mußte ich dann kurz halten. Ich hatte meine Sattelstütze in einer der letzten Abfahrten 1 cm weiter im Rahmen versenkt. Wie ich das geschafft habe ohne es zu merken weiß ich bis jetzt nicht, naja hauptsache der SLR gibt nicht wieder nach.

In die zweite Runde hinein kommt der wirklich schwere Anstieg dieses Marathons. Die Streckenführung war nun etwas anders. Ich hatte diesen Anstieg noch zu gut in Erinnerung, und war schon im letzten Jahr froh gewesen nur 1 mal hier hinauf fahren zu müssen. Ich fühlte mich noch sehr gut, und beschloß das Tempo etwas zu erhöhen.

Schon ziemlich schnell hatte ich meine beiden Mitfahrer abgehängt. Ich fuhr nun weiter zu anderen Fahrer auf, die aber alle nicht mein Tempo halten konnten. Ich wurde langsam mutiger und fuhr steigerte das Tempo weiter.
Als ich den zweiten Berg erreichte wurde ich von einem anderen Fahrer eingeholt. Diesen hatte ich gegen ende der ersten Runde schon gesehen, als er offensichtlich einen Defekt hatte. Sein Tempo war noch ein mal schneller als das von mir. Ich setzte ihm nach und konnte auch mitfahren, ohne zu sehr an mein Limit zu gehen. Gemeinsam fuhren wir weiter. In der Abfahrt machte er ziemlich druck, so das ich nur versuchen konnte im Windschatten an ihm dran zu bleiben. In der technischen Passage gegen ende der Abfahrt verlor ich dann etwa 20m auf ihn. Diese 20m konnte ich dann nicht wieder schließen. Auch erhöhte er das Tempo als er merkte das ich nicht folgen konnte.
In dem nächsten Anstieg wurde der Abstand langsam größer. Ich versucht mich so lange wie möglich an ihm zu orientieren. Hin und wieder überholte ich andere Fahrern, die aber nicht versuchen mir zu folgen. Viele von diesen Fahrer waren zu beginn des Rennens an mir vorbei gefahren, ab wie schon gesagt, ich hatte sie nicht zum letzten mal gesehen. Auch die ersten Fahrer der Halbmarathon-Strecke holte ich ein. Diese schoben teilweise, und waren nur eine halbe Stunde weniger unterwegs als ich. Allerdings hatte ich nun schon km 90 erricht, und diese „armen Scheine“ hatten noch nicht mal die hälft ihrer Kurzstrecke geschafft.

Als ich die Verpflegung erreicht, fuhr ich wieder auf zwei Fahrer auf. Wir konnten also gemeinsam die Abfahrt in angriff nehmen. Wir waren nun mit 4 Fahrern unterwegs. Die technischen Passagen wurden nun härter als auf der ersten Runde. Denn es waren nun mehr als 3000 Leute hierüber gefahren, und die Wurzeln und Steine standen deutlich weiter heraus. Aber jetzt wollte ich diese 4 nicht mehr verlieren. Ich schoß die Abfahrt gemeinsam mit ihnen hinunter.

Kaum hatte ich den Asphalt von „meinem“ Anstieg erreicht zog ich das Tempo kräftig an. Einer der 4 versuchte noch an mir dran zu bleiben, mußte aber auch kurz darauf abreisen lassen. Ich war nun alleine im Anstieg unterwegs, weiter oben konnte ich aber noch ein paar vereinzelte Fahrer sehen. Zu meiner Überraschung viel es mir nicht schwer das schnelle Tempo was ich untern angeschlagen hatten, um die anderen Fahren abzuschütteln weiterzufahren. Ich holte so nach und nach Fahrer ein, die mir aber nicht folgen konnten. Wieder erkannte ich einige die Morgens noch an mir vorbei geschossen waren, und nun am Wegrand standen und versuchten die Krämpfe in den Beinen los zu werden.

Kurz bevor ich den Gipfel erreichte holte ich noch einen Italiener ein. Er war lange Zeit mit einigen Metern Vorsprung vor mit gefahren und hatte nun auch schon einige Fahrer überholt in diesem Anstieg. Gemeinsam erreichten wir das Staubecken. Nun ging es in die Abfahrt. In den technischen Passagen konnte er immer wieder einige Meter auf mich gewinnen, aber er konnte mir nicht entkommen. So passierten wir auch gemeinsam die letzte Verpflegung in der Abfahrt, und schossen weiter in Richtung letzter Anstieg. Er ging mit einigen Metern vorsprung in den Grabig. Jetzt gab es kein Kräfte schonen mehr, dies war der letzte Anstieg, auch wenn er 5 km lang war. Ich konnte ihn im Grabig noch sehen, er holte kurz bevor er aus der sichtweiter fuhr noch eine Gruppe von 3 Fahrern ein. Nach und nach konnte ich mich um Anstieg an die Gruppe heranarbeiten.

Nach etwa der Hälfte des Anstiegs erreichte ich die Fahrer, der Italiener war auch noch dabei. Hier war der Kampf um die Plätze schon voll eröffnet. Immer wieder zogen einige das Tempo in dem teilweise technisch anspruchsvollem Anstieg an. Aber keine konnte sich absetzten. Nun ging es gemeinsam in die letzte Abfahrt. Ich lag an 4 Position als wir in den Kurzen Asphalt Gegenanstieg fuhren. Jetzt sah ich meine Chance, und gab Vollgas, die andern Fahrer hatten sich im letzten Anstieg schon vollkommen verausgabt, nur der Italiener der schon so lange mein Tempo fahren konnte, folgte mir noch.

Kurz bevor auch dieser Anstieg zu ende war frage er mich ob ich noch wußte wie weit es sei. Ich sagte ihm das es jetzt nur noch kurz auf Asphalt Bergab ging, und dann durch den Ort ins Ziel. Also noch höchstens 2 Km. Ich stellte mich darauf ein im Ort gegen ihn sprinten zu müssen. Aber kurz nachdem ich von 2 km gesprochen hatte ließ er abreisen. Er versuchte nicht mal auf den letzten Metern der Asphaltabfahrt mir zu folgen. Im Ort mobilisierte ich noch mal die letzten Kräfte um mich nicht doch noch von ihm einholen zu lassen, aber der Abstand zwischen uns wurde sogar noch größer. So konnte ich nun Problemlos ins Ziel fahren.

Im Ziel kam dann das erlösende Piepsen vom Transponder wenn die Zeit stehenbleibt. Nun konnte nichts mehr passieren. Mit einer Fahrzeit von 5:23 lag ich „nur“ 50 Minuten hinter dem neuen Europameister, einen so „kleinen“ Abstand hatte ich noch nie. Mit Platz 79 im EM Ergebnis und 77 im EM- Herrenergebnis bin ich sehr zufrieden. Ich hatte mir heute meine Kräfte super eingeteilt, und konnte so bis zum Schluß noch Druck machen um andere Fahrer abzuhängen, dabei hab ich in der zweiten Runde mindestens 20 Fahrer überholt, und abgehängt.

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