Im Vorfeld hatte ich mir viel vom Cyclo-Cross erzählen lassen. Hier würden nur die ganz harten Jungs fahren und wirklich fahren würde eigentlich sowieso niemand. Es sei mehr eine Art des Fahrradweittragens. Auch wurde behauptet, Crossräder seien nichts Halbes und nichts Ganzes, weder Rennrad noch MTB. Trotz allen Unkenrufen habe ich mich schließlich im Fieber der Weltmeisterschaftsübertragung dazu entschlossen, den eigenen Fuhrpark um einen Crosser zu ergänzen. Als Sabine Spitz, die zweite der Weltmeisterschaft 05, dann noch sagte, Crossen sei der Weg, um mit dem ungeeignetesten Rad durchs Gelände zu fahren (So oder so ähnlich war der O-Ton), war für mich die Sache klar – so ein Rad muss her.
Der Rahmen und ein paar Neuteile kamen dann auch zügig von bike orange. Mit ein paar Teilen aus meinem Fundus ergänzt stand schließlich mein Crosser vor mir. Zunächst diente das extrem wendige Rad hauptsächlich zum Training bei schlechtem Wetter und bescherte mir eine Menge Spaß.
Spaß war es dann auch, um was es mir schließlich bei meinem ersten Crossrennen ging. An meiner Seite war mit Chriz ein erfahrener Crosser, der schon einige Cross-Saisons in den Beinen hat und auch mit wertvollen Tipps nicht geizte. Wir machten uns also auf nach Rade. Bei uns war unser Betreuerstab bestehend aus unseren Freundinnen Anni und Maike sowie Fankoordinator Hauke von bike orange. Es konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Der Kurs ließ den Moutainbiker und Freund schwerer Gänge in mir grinsen. Hier gab es keine größere technische Herausforderung. Fast alles spielte sich in der Ebene ab. Einmal galt es eine Abfahrt mit ca. 2 Höhenmetern, Rechtskurve und anschließenden Anstieg (ca. 2,5 hm) zu überwinden. Ein anderes mal war ein kleiner Wall oder ein Baumstamm im Weg, bevor man wieder den Startziel-Bereich erreichte. Auf MTB-Rennen geht es wirklich anders zur Sache, was aber nicht heißen soll, dass der Kurs langweilig war. Überhaupt hatte die ganze Sache einen eigenen Charme. Mitten im Wald irgendwo im Nichts standen zwei VW-Busse, davor ein Klapptisch. Fertig war der Startzielbereich. Keine Duschen, keine Toiletten, kein Kuchen, aber eine Menge gute Laune und nur 4 Euro Startgeld.
Am Start fanden sich um 14.20 Uhr ca. 35 Fahrer mit unterschiedlichstem Material und vor allem mit unterschiedlichster Leistungsfähigkeit ein. Es standen hier Hobby-C-Fahrer gleichsam wie Profi-Fahrer am Start. Ein Ersatzrad, wie sonst wohl üblich, hatte niemand dabei. Nach ein bisschen Hin und Her ging es dann los. Ich hatte mich bei meiner Premiere nicht in die erste Reihe gestellt, weil ich im schlimmsten Falle nicht gleich unangenehm auffallen wollte. Christian hatte sich ein wenig weiter nach vorn orientiert. Die Startphase verlief recht gut für mich.
Im Hauptfeld erreichte ich die 2hm-Abfahrt, um nach der Kurve so gleich vom Rad zuspringen, das Rad auf den Rücken zu werfen und die Steigung zu erstürmen. Eigentlich wäre diese Stelle voll fahrbar gewesen, aber hier war halt Stau. Beim anschließenden Aufsetzten des Rades auf dem Waldboden sprang dann wohl meine Kette ab, was ich nicht merkte und wie gewohnt und oft geübt aufs Rad sprang. Es folgte der Tritt ins Leere und die Kette verklemmte total. Ich hatte also richtig Spaß. Glücklicherweise half mir ein Zuschauer, der sich nicht scheute, sich seine Hände dreckig zu machen und ich konnte meine Fahrt fortsetzten. Vorbei an dem Betreuerstab und durchs Blitzlichtgewitter. Mädels, ihr seit echt Spitze gewesen!
Kurze Zeit später sah ich auch schon einen Fahrer vor mir und schöpfte neue Hoffnung und Kraft. Es war noch nicht alles verloren. Wieder kam ich an meine Lieblingspassage. Diesmal aber allein und das Teil war wirklich fahrbar. Leider kam ich aber doch etwas ungünstig über die Steigung, schaltete und dann kam gar nichts mehr. Die Kette war wieder ab und diesmal dann auch richtig verklemmt zwischen Rahmen und Kurbel. Die Folge: Aus in der zweiten Runde!
Ich suchte die Damen und Hauke auf. Zickte ein bisschen herum und beugte mich letztlich meinem Schicksal. Bei Christian hingegen lief es richtig rund. Runde für Runde spulte er ab und holte sich den geplanten Top Ten Platz. Ob es nun Platz 6 oder Platz 7 geworden ist, konnte selbst der Veranstalter noch nicht sagen. Wir müssen demnach noch auf ein offizielles Ergebnis im Internet warten.
Jens
Hier sind jetzt noch Chriz´ Eindrücke vom Renntag:
Es ist endlich wieder soweit, die Crosssaison hat begonnen. Am Samstag sind Jens und ich beim ersten Lauf des Hamburger Crosscups im Rader-Forst gestartet.
Für Jens war es das erste Crossrennen überhaupt und für mich war es natürlich ein erster Formtest in Sachen Cross für diese Saison. Zwar fehlten die ganz großen Namen vom Stevens-Cyclocross-Team, aber immerhin war Dano da um die Position des Leitwolfes zu übernehmen.
Als Fans und Betreuer hatten Jens und ich unsere Mädels mitgenommen, diese hatten auch die Aufgabe, reichlich Fotos zu machen. Dafür einen riesen Dank! Die Besten werde ich mal ins Album stellen.
Da auf der Strecke noch das Junioren/Senioren2 Rennen lief, konnten wir erst kurz vor unserem Start die Strecke unter die Stollen nehmen, aber was ich sah gefiel mir sehr gut. Im Gegensatz zum letzten Jahr wurde die Strecke wieder leicht verändert. Ein kleiner Steilanstieg wurde herausgenommen und dafür ein Stück breiterer Waldweg eingebaut auf dem man richtig Gas geben konnte. Hier richteten die Mädels dann auch das Getränke und Fotodepot ein. Die Länge des Kurses steigerte sich dadurch etwas auf ca. 1,3 km. Höhenmeter waren allerdings so gut wie nicht vorhanden.
Die Startaufstellung erfolgte auf einem breiten Waldweg, um dort ein wenig das Gedränge zu vermeiden. Ungefähr 35 Unerschrockene tummelten sich dort. Ich stellte mich mit meinem neuen Crosser von bike-orange recht weit nach vorne, da ich doch einige Ambitionen hatte und einen Top-Ten Platz ergattern wollte. So ging es dann auch los: Alle stürmten auf die erste Kurve zu, ich konnte schon auf der Geraden ein bis zwei Plätze gut machen und drängte auf der Innenseite an weiteren Fahrern vorbei. Hierbei kam es dann auch zu einigem Körperkontakt, allerdings ohne Folgen. Auf dem nun folgenden engen Streckenverlauf reihten sich die Fahrer wie an der Perlenkette auf, um die erste und einzige Schwierigkeit der Strecke zu passieren. Es ging ca. 2 hm bergab, dann folgte eine recht scharfe Rechtskurve und der soeben verlassene Wall musste wieder erklommen werden. Die Stelle ist eigentlich voll fahrbar, jedoch nicht, wenn sich eine so große Meute dort hinaufbewegt. Also wurde gelaufen und wieder auf das Radel aufgesprungen, wir sind ja schließlich bei einem Crossrennen. Anschließend überquerten wir noch einen umgestürzten Baum und kamen endlich wieder auf einen etwas breiteren Weg auf dem wir ordentlich Tempo machen konnten. Dem vor mir fahrenden Crosser wurde von einem Betreuer die Platzierung zugerufen, es war der 9. Platz. Wenn ich mein Ziel die Top-Ten zu erreichen wahr machen wollte, musste ich also nur meinen 10. Platz halten, aber vielleicht ist da ja noch mehr drin.
Zu Ende der Runde war noch ein Hindernis in den Kurs eingebaut, ein weiterer kleinerer Baum lag quer über dem Weg und sollte überwunden werden. Man konnte jedoch auch auf der einen Seite recht zügig daran vorbeifahren. Allerdings wollte ich ja noch Plätze gut machen, also machte ich in fast jeder Runde einen Bunny-Hop über das Hindernis und war auf diese Weise schneller als die Konkurrenz, die außen herum gefahren ist.
Nach der zweiten Runde sah ich Jens am Streckenrand bei den Mädels stehen und war sehr verwundert, nach dem Rennen konnte ich mich dann von einer total verklemmten Kette an seinem Rad überzeugen. Eine wirklich ärgerliche Sache, die allerdings nicht nur Jens passierte. Einige Male sah ich Fahrer am Rand stehen, die an ihren Ketten zerrten oder diese ganz verloren.
Ich spulte eifrig meine Runden ab und konnte noch den ein oder anderen Fahrer überholen, war mir aber nicht so ganz über meine Platzierung im Klaren, denn es könnten ja auch noch vor mir liegende Fahrer ausgestiegen sein. Es lief einfach fantastisch, von hinten kamen nur der Erst- und Zweitplatzierte an mir vorbei und ich überrundete auch einige der Konkurrenten.
Am Ende belegte ich den 7. Platz und war richtig euphorisch über dieses Ergebnis. Von den 35 gestarteten Fahrern wurden am Ende 29 gewertet.
Alles in Allem war es ein super Rennen. Das Wetter tat natürlich sein Übriges, wo kann man sonst im Oktober noch im kurzen Trikot und kurzer Hose ein Rennen fahren?
Noch ein Dank an die Mädels, Hauke von bike-orange, der ebenfalls vor Ort war und anfeuerte und an Jens, der mir zwischendurch die dringend benötigte Flasche reichte. Schade das er das Rennen nicht beenden konnte, aber beim nächsten Mal wird er wieder am Start stehen, denn er hat ebenfalls Blut geleckt.
Chriz
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