2. Lauf Hamburger Cross Cup in HH-Appelbüttel (Querfeldein)
Geschrieben von Jens in Berichte
Nervlich am Ende war ich schon, bevor wir überhaupt nach Hamburg abgefahren sind. Pünktlich eine Stunde vor der Abfahrt besah ich zum tausendsten Mal mein Rad und stellte fest, dass die Bremsklötze schief und irgendwie komisch stehen. Nicht, dasa das Rad ca. 100 mal zuvor bereits gecheckt wurde. Also auf zur Schnellwartung zu bo, denn im Montageständer schraubt es sich einfach besser.
Zack, zack, – Rollo sei dank – war mit den Bremsen schnell alles paletti. Leider fand sich noch ein Dorn in der Flanke meines Hinterrades. Nach kurzem hin und her zog ich das Teil raus. Luft entströmte und weiße Latexmilch wurde sichtbar. Das Zischen wurde im Keim erstickt, der Reifen hatte sich fast von selbst geheilt. Alle staunten. Zwei Kaffee später hatte das gute Stück statt 4 bar noch 3,7 bar. Das System funktioniert also und der Griff zum neuen Teamreifen Tufo CT 30 Pro war wohl ein Glücksgriff.
Einige Zeit später erreichten wir Hamburg und dann auch Appelbüttel. Alles war herrlich weiß, nur in einem vom Schnee verzauberten Wald huschten merkwürdig gekleidete Gestalten auf nicht eben den genialsten Rädern durchs Unterholz. Hier waren wir richtig.
Gemeinsam mit unseren tapferen Betreuerinnen Anni und Maike ging es zur Streckenbesichtigung. Alles war so schön weiß. Nur da wo die bunten Gestalten fuhren, war es schwarz, braun, tief matschig und schlammig. Nach der Zielgraden gab es eine scharfe Rechtskurve, dann ein mit vielen Wurzeln und kleineren Matschlöchern durchsetztes Stück. Es folgte erneut eine Rechtkurve und dann kam in zwei Wellen der tiefste Morast. Felix sah sich hier im Geiste schon liegen. Es folgte eine Linkskurve, der Dreck wurde etwas flacher, der Weg war aber durch einen kleinen Graben ein wenig gespalten. Dann wieder eine Rechtskurve und man war am Beginn der Tragestrecke. Ich begann langsam zu verstehen, warum Cross auch gelegentlich Fahrradweittragen genannt wird. Am Ende dieser Tortur gab es einen Anstieg mit Wurzeln. Der machte den Kohl meist nicht mehr fett, man war ja eh gerade mal wieder nicht auf dem Rad, sondern hatte es schön säuberlich auf der Schulter angeordnet. Ich meine, nun kam erneut eine Rechtskurve und in zwei kleineren Wellen auch erneut tiefes Geläuf. Das fand aber auch sein Ende, so dass ein voll fahrbares Singeltrail Stück folgen konnte. Mittendrin fand es der Veranstalter lustig, zwei Hindernisse, wahrscheinlich wegen der Athletik der Athleten oder einfach aus reiner Bosheit, aufzustellen. Mit Pedalproblemen nahm Felix eine dieser Hürden frontal. Glücklicherweise ohne Schaden zunehmen. Dann gab es erneut eine Rechtkurve und man war wieder auf der Zielgeraden. Ich hoffe, der Kurs war wenigstens in Grundzügen so. Ach ja, 1,3 km war er wohl lang.
An der Startnummernausgabe ergatterte ich dann zu meiner Freude die Nummer 13. Was konnte noch schief gehen. Schnell ab zu den Wagen und so verwandelten auch wir uns in bunte Gestalten. Zu Dritt ging es danach auf Erkundungstour mit dem Rad. Der Kurs erwies sich tiefer als gedacht, aber wir hatten ja die Tufos. Leider erwischte ich bereits auf dieser Schnuppertour eine Bodenwelle etwas dämlich, so dass mein Sattel seine Nase gen Himmel reckte und mir die Sache doch etwas aufs Gemüt drückte. Felix und Chriz waren schon sonst wo, also kürzte ich ein wenig ab, besorgte mir den Autoschlüssel und freute mich, als keiner meiner Inbusschlüssel an meiner neuen Stütze passte. Ich wurde wohl etwas rot, aber es wird wohl einen tieferen Sinn haben, wenn jemand eine Stütze entwickelt, für deren Verstellung ein 2,5er Schlüssel benötigt wird. Zwei Autos weiter beim späteren Sieger wurde ich schließlich fündig. Vielen Dank Torben. Alles geschah so etwa 10 Minuten vor dem Start. Meine Nerven lagen blank und der Pessimist kam durch.
In der Startaufstellung fanden zwei Offizielle meine Art die Nr. 13 zu tragen nicht witzig und frotzelten dumm herum. Ich glaube aber, es war nur Spaß, oder? Wie auch immer, die 13 ist verkehrt herum zutragen. Anders geht so was nicht. Basta!
Irgendwie ging es dann los und die Meute stürmte los und ich mit. Vornehm hatte ich mich hinten eingeordnet, ich wollte ja niemanden Wichtiges behindern, denn für mich stand der Spaß klar im Vordergrund. Es lief sogar recht gut, ich machte einige Plätze gut und freute mich schon, als sich meine Kette meldetet und mal wieder das Weite suchte. Nun, sie hat es nicht wirklich gefunden. Der 1 Euro Dogfang aus der bo Grappelkiste tat seinen Dienst pflichtbewusst und die Kette hatte verspielt. Ich legte sie auf und konnte dann das Feld von hinten sehen. Ein Anblick, der nicht so recht in meinem Sinne war, aber so ist das wohl. Ich nahm die Verfolgung auf. Der Dreck wurde tiefer, die Hügel wurden zu Bergen, aber ein paar Fahrer sah ich noch. Nun begann das Leiden. Treten, treten und nochmals treten aber es macht ja Spaß. Unterwegs gab es jede Menge begeistertes Publikum, so dass der Spaß wirklich gegeben war. Er endete dann leider aber doch recht rasch in Runde Drei, nicht weil das Führungstrio passieren wollte, sondern weil mein Vorderrad einen anderen Weg einschlug als ich es wollte. Zack und rein in den Dreck. Trotzdem, oder gerade wegen dem oder meines fast schon ungesunden Selbsthasses ging es weiter. Es ist halt nur ein Trainingsrennen, schoss es mir an selbiger Stelle durchs Hirn, als mein Vorderrad wieder sonst wo hin wollte und eine garstige Birke mir in den Weg sprang. Den Baum verfehlte ich, nicht aber das Matschloch in der Mitte des Weges. Ich glaube, ich drehte mich sogar noch auf dem Rücken, mit soviel Schwung war ich die Sache angegangen. Fango soll ja auch gesund sein. Leider tat meine linke Seite nun etwas mehr weh, aber es musste weiter gehen. Für Ruhm und Ehre oder so einen Blödsinn. Meinen rechten Daumen killte ich beim Sturz auch. Der leuchtet jetzt schon und ich spüre meinen Herzschlag im Finger. Echt klasse.
Aber es musste ja weiter gehen. Da die Brille ohnehin permanent beschlagen war, tauschte ich sie gegen eine Trinkflasche bei Anni ein. Es folgten nun noch einige wenige spektakuläre Runden, in denen meine Teamkollegen ab und an mal vorüberkamen und nach dem Rechten sahen. Nach einiger Zeit kam auch Florian Schröder vom Stevensteam. Mich packte noch mal der Ehrgeiz und ich versuchte mitzuhalten. Das klappte dann gute 5 Meter. Ohne Brille bin ich doch recht blind und entnahm erneut eine Bodenprobe. Glücklicherweise wurde dann die letzte Runde eingeläutet und der Spuck war aus.
Pervers ist wohl, dass mir dieses Massaker meiner Selbst auch noch Freude gemacht hat und ich mich schon auf die Landesmeisterschaft am nächsten Wochenende freue. Vielleicht wird dann ja alles gut. Wenn nicht ist auch egal, er nächste Nordcup kommt bestimmt.
Jens
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