Endlich ist die Winterpause vorbei und die Marathonwelt hat mich wieder. An diesem Sonntag stand ganz planmäßig der Marathon des Endspurt Hamburg auf meinem Programm. Leider nicht ganz so planmäßig entwickelte sich das Wetter. Der kleine Mann in der Glotze und der im Radio hatten sich gegen mich verschworen und das Übelste angesagt, was ihnen wohl so eingefallen ist. Es standen also am späten Samstagabend noch einige Veränderungen am Rad an. Statt meiner italienischen Leichtlaufreifen beschloss ich die gut 200 Gramm schwereren Stelvio Plus aufzuziehen und so einem ungewollten Druckverlust entgegenzuwirken. Diese Maßnahme erwies sich als guter Griff, noch nie habe ich so viele Platten bei einem Marathon gesehen wie an diesem Sonntag. Ein weniger guter Griff war es, meine vordere Bremse beim Radausbau derbe zu verstellen. Der Weg zu bo stand also auch noch auf meinem Abendprogramm, um dort die Sache mit einem 13er Schlüssel wieder zu beheben. Was gibt es also Spannenderes als kurz vor dem Marathon noch am Rad herumzuschrauben.
Auf dem Weg nach Hamburg am frühen Sonntagmorgen kam es dann auf der Autobahn zu den ersten Duellen der Nordcuper. In vielen Wagen konnte ich Räder und mir bekannte Gesichter erkennen. Es ging also los, selbst eine gesperrte Autobahnabfahrt konnte mich nicht aufhalten.
Am Start war es dann glücklicherweise trocken. Auch die ganze Strecke über habe ich keine 10 Regentropfen abbekommen. Das sah zunächst aber anderes aus. Als einer der wenigen stand ich in ¾ Hose am Start und fror dem Startschuss entgegen. Zuvor hatte mich Bernd Schmidt belehrt, dass so ein kaltes Wetter immerhin dafür Sorge tragen würde, dass die Cola im Ziel im Auto schön kalt bleiben würde. ER sollte recht behalten.
Bereits in der Startphase entdeckte ich die Kollegen aus Oldesloe vom RV-Trave. Die Jungs und das Mädel wollten einen ruhigen Marathon fahren und die Sache langsam angehen. Da auch ich mir über meine Form nicht im Klaren war und mir im Winter zahlreiche der sonstigen Trainingskilometer abhanden gekommen sind, beschloss ich mich der Truppe anzuschließen. Immerhin waren wir jetzt 10 Fahrer, was für eine Gruppe reichen sollte. Von der RG-Kiel war nichts zusehen.
Bereits in der Startphase zerriss diese Gruppe allerdings, die Leistungsunterschiede waren doch zu groß. Evtl. lag es aber auch an dem Aschenplatz, auf dem der Start durchgeführt wurde. Ich glaube, hier konnte die Defekthexe bereits mit tausenden kleinen Steinen, die an den Reifen nur so klebten, ihr Werk beginnen.
Zwar verloren wir einige vom RV-Trave, dafür schlossen aber Hauke und Calli in diese Gruppe auf. Diese Guppe lief recht gut, als Siggi von der RV anfing die Pace zu machen. Zitat:“ Wir wollen zwar nur einen 27er Schnitt, aber trotzdem können wir doch 30 fahren“. Wir fuhren nun einige Gruppen auf und stießen auch auf Holger aus Schleswig. Irgendwann setzte sich Calli ab und zog allein seine Bahnen. Die Gruppe wurde immer größer und nach langen 47 Kilometern erreichten wir die erste Versorgung. Die komplette RV-Trave war weg, was mich zum Warten an der etwas kläglich ausgestatteten Kontrolle veranlasste. Wahrscheinlich haben wir hier die richtige Gruppe ziehen lassen. Aufgrund der niedrigen Temperaturen fuhren Hauke, Holger und ich dann allein weiter. Unsere Gruppe wuchs aber noch für kurze Zeit auf 6 Fahrer an.
Da es aus meiner Sicht schleppend voran ging und meine Beine mir grünes Licht gaben, erhöhte ich das Tempo. Holger und Hauke gingen mit und wir flogen zum Teil mit über 40 km/h über astreinen Straßenbelag. Ein Großteil der Strecke war aber hingegen wirklich in einem üblem Zustand. Der Winter hat an den kleinen Straßen seine Spuren hinterlassen. Durch die Tempoverschärfung erreichten wir bald andere Fahrer und fanden auch eine gute Gruppe, mit der wir auf die Reise gingen.
Die Kilometer rollten jetzt sehr flüssig und wir erreichten bei Kilometer 82 die zweite Kontrolle in Sülfeld. Hier gab es fast alles was man so wollte. Ein warmer Tee wäre der Knaller gewesen. Mit unserer neuen Gruppe ging es nun aber weiter.
In Quaale bei Kilometer 120 nahmen wir unsere warme Mahlzeit zu uns. Wie immer bei einem Marathon konnte ich den Teller nicht leer essen. Wir fuhren nun auf die Berlin-Runde. Dieser Abschnitt war ungewöhnlich hügelig und verkleinerte die Gruppe. Leider fiel auch Holger, mein Garant für gute Gespräche aus der Gruppe. Hauke und ich konnten die Gruppe allerdings halten und leisteten auch gute Führungsarbeit.
Nach 154 Kilometern waren wir dann zurück in Quaale und mich überkam ein menschliches Bedürfnis. Ich konnte meinen Vordermann mangels Damen überreden, das Damen-WC zu nutzen und war bald selbst an der Reihe. Glücklicherweise war die Schlange nicht so groß wie bei unseren ersten Besuch. Trotzdem, als ich die Kontrolle verließ, sah ich Hauke nur noch kurz. Als ich auf dem Rad saß, war meine Gruppe weg. Ganz Toll. Allerdings trudelte nun Holger ein und ich zog eine Fahrt mit Holger einer Verfolgungsfahrt vor.
Gestartet sind wir dann zusammen mit Lars aus NMS, dem Mann mit den meisten Pannen, der nicht aus Wesseln kam. Holger hatte allerdings starke Rückenschmerzen und so wurde unser Tempo recht langsam. Lars zog allein los und wir fuhren zu zweit weiter. Ich spannte mich nun vor Holger und wir fuhren recht gemütlich weiter. Es wurde wieder etwas hügeliger und wir wurden dementsprechend langsamer. Auch der Plattenweg durch einen Wald konnte uns nicht verzücken, denn das Gerüttel war schon etwas nervend.
Kurze Zeit später schloss eine Gruppe von vier Triathleten aus Nordfriesland zu uns auf. Holger und ich beschlossen uns nun zu trennen. Holger fuhr sein eigenes Tempo weiter und ich fuhr mit den drei Kerlen und der Frau und ihren Zeitfahraufsätzen weiter. Die Lady hatte noch mächtig Druck und wir fuhren so um die 30km/h und machten Meter. Leider ging sie dann aus der Führung. Das Tempo fiel nun merklich. Als ich an der Reihe war, zog ich wieder an, aber meine neuen Weggefährten zogen nicht so recht mit. Dann kam aber auch schon die letzte Kontrolle bei Kilometer 187.
Diese Kontrolle war wieder am Feuerwehrhaus in Sülfeld und noch immer reichlich ausgestattet. Ich wählte ein paar Süßigkeiten und auch Holger kam zur Kontrolle. Wir verabschiedeten uns nun endgültig von einander und ich zog allein weiter. Da ich trotz der Distanz noch gute Beine hatte und ich auch mein CSC-Cap unter dem Helm trug, dachte ich mir es wäre nun Zeit, die letzten Körner aus den Beinen zu fahren und in Jens-Voigt-Manier ein kleines Einzelzeitfahren zu veranstalten. Es lief tatsächlich sehr rund und mein Tacho fiel kaum unter 33 km/h. Die Fahrer, die ich nun auffuhr, dachten bestimmt, sie wären im falschen Film, aber das Rad rollte und die Aero-Laufräder summten nur so. Ein wenig störend waren die vielen roten Ampeln als ich den Stadtrand von Hamburg erreichte und mich dem Ziel näherte. Da ich jede Ampel beachtete, gab es also ein kleines Intervalltraining gratis.
Nach 07:30 Std. war ich dann recht unzufrieden im Ziel. Mein Schnitt betrug magere 27,9 km/h. Das sind gute 2 km/h weniger als im letzten Jahr. Ich wechselte hier und da noch ein Wort und dann ging es zurück über die A 7 nach Kiel. Der Ford gab alles, um den Schnitt wieder aus der Versenkung zu holen. Zurück in Kiel und auf dem Sofa war ich dann aber doch ganz happy. Die hügelige Strecke in Oeversee kann also kommen.
Jens
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