Diesen Marathon fährst Du nie, nie, nie und auch wirklich niemals wieder. So oder so ähnlich waren meine Gedanken während dieser Rennradaction am 28.05.2006. Doch schön der Reihe nach.

Das Vorspiel

Das Vorspiel war eher ein Trauerspiel. Seit dem letzten Nordcup in Oeversee bin ich nur ca. 160 Kilometer auf dem Rad gewesen. Ein bisschen zu wenig, wie ich fürchtete. Am Vortag fand zunächst eine Familienfeier und abends dann die Party bei Nico statt. Ich glaube, ich habe in der Nacht ca. 2 Stunden geschlafen. Positiv war nur mein Doppeldate für den Marathon. Zum einen mit Jens K. aus der RG und zum anderen mit Sebastian Z. vom RV Trave. So hatte ich immerhin eine gute Ausrede, nicht mit Vollzeug fahren zu müssen, da wir beschlossen hatten, unauffällig zu sein.

Das Material

Nun ja, in Husum war ich vorher noch nicht beim Nordcup. Jens P. berichtete von reichlich Wind und auch von einem Sandweg. Klarer Fall, das Carbonrad bleibt im Stall und das B-Rad muss ran.

Das Wetter

Regen und Sturm waren angesagt und so sollte es dann auch sein. Auf der Hinfahrt hoffte ich noch, dass sich der Wind noch legen würde. Als ich die Gegend um Husum mit ihren unzähligen Windkraftanlagen aber erreichte, wurde mein Hoffen und Bitten gnadenlos zerschlagen. Hier pustete es mächtig und die Windböen waren heftig. Eigentlich denkbar ungünstige Voraussetzungen  um radeln zugehen. Na gut, nicht nur eigentlich.

Der Start

Hier kam es zum nächsten Schock. Es wird 2006 keine Nordcuptrikots geben, da es keine Sponsoren gibt, die genug Kohle loseisen können. Stattdessen wird es ein Saunahandtuch mit Nordcuplogo und dem eingestickten Namen des jeweiligen Finishers geben. Ein kleine bis mittelgroße Enttäuschung.

Etappe 1 – 46 km von Husum nach Ostenfeld

Erst mal war wie immer die Gruppenfindung angesagt. Husum ist hier schon der etwas andere Marathon, denn es gab wohl ganze zwei Gruppen. Vorn ca. 10 schnelle Fahrer und dahinter das große Hauptfeld mit wohl fast allen anderen Recken. In dieser Phase sah ich auch kurz Hauke D. aus der RG und wechselte ein paar wenige Worte. Schön war, das ich aufgrund der Gruppengröße erst bei Kilometer 39 in die Führung musste. Alles also ganz unauffällig. Was ich nicht merkte war, dass wir nun immer schneller wurden und dies tatsächlich nicht unbedingt auf allseitige Gegenliebe stieß. Was mir etwas schleierhaft ist, da zu Beginn das Tempo recht flott war, denn der Wind war wohl noch ein starker Verbündeter. Bis zur Kontrolle, die klasse ausgestattet war, fuhr ich jedenfalls vorn.

Etappe 2 – bis Kilometer 91 in Drelsdorf

An der Kontrolle beschloss die Allgemeinheit dann, dass es ruhiger werden sollte. Damit konnte ich leben. Es bildete sich eine große Gruppe mit diversen RG-Fahrern. Zunächst schätzten Sebastian und ich das Tempo falsch ein. Wir waren ganz locker los gerollt, aber blieben allein, denn im Feld wurde wirklich piano gefahren. Ein Glück, das Sub 7 heute nicht gefordert war. Der Wind wurde immer heftiger und da wir keine Lust auf einen kräftezerrenden Alleingang hatten. reihten wir uns hinten ins Feld ein, nachdem wir ein wenig gewartet hatten. Im Feld war auch ein unterforderter Jens K., aber es sollte ja unauffällig werden. Nach einer guten Ewigkeit und ohne viel Führung fahren zu müssen, was ein enormer Vorteil einer Großgruppe ist, erreichten wir die nächste Kontrolle.

Etappe 3  – bis Kilometer 133 in Drelsdorf

Die dritte Etappe war eine Art Rundkurs um die Kontrolle in Drelsdorf, die zweimal angefahren wurde. Der Wind, der Wind spielte auch hier eine große Rolle und sorgte für die ersten ermüdeten Fahrer, die gern auf Führungsarbeit verzichteten. Niemand kann es ihnen verdenken. Ich fuhr eine ganze Zeit mit Bernd S., unserem Landesverbandsanführer, und bekakelte dies und das. Auch lernte ich Peter P., einen Ex-RGler kennen und konnte noch mehr gute Gespräche führen. Sebastian haben wir leider unterwegs unbemerkt verloren. Kurz vor der Kontrolle, Peter und ich gingen gerade aus der Führung und waren nun ganz hinten in der Gruppe, trennte sich die Gruppe. Vorn fuhr nun Jens K. und ich hing hinten fest, da niemand das aufgerissene Loch zufahren wollte oder konnte. An der Kontrolle gab es schließlich auch die Warmverpflegung und Jens K. und ich fanden uns wieder.

Etappe 4 – bis Kilometer 173 in Holmersiel

Nach der Warmverpflegung fuhr ich mit Jens K. in einer Sechsergruppe. U.a. war auch Thomas aus Lübeck mit dabei. Wir hatten schon Oeversee zusammen bestritten und konnten anfänglich etwas plaudern. Zu meiner Überraschung fuhren wir zu Sebastian auf, der ja eigentlich hinter uns hätte sein müssen. Der Schelm hatte aber auf die Warmverpflegung verzichtet und war so wieder mit dabei. Und dann kam der Wind und es begann das Leiden. Sebastian fiel aus der Gruppe und zog sein eigenes Tempo vor. Wir anderen kämpften und quälten uns. Zum Teil fuhren wir mit lausigen 16 km/h aber Puls 190++ durch die Gegend. Es war nur noch eingeschränkt lustig. Der Knaller war ein Stück auf dem Deich, hier waren wir fast hilflos. Es pustete und pustete und ich beschloss, nie wieder in Husum Marathon zu fahren. Ich fürchtete, mind. 10 Std. unterwegs zu sein und sah uns schon als letzte oder mind. weit hinten ins Ziel kommen. Nach der Deichpassage gab es etwas Erholung bei Tempo 45 und Extremrückenwind, bevor die Straße einen Knick in die falsche Richtung machte und es wieder voll gegen den Wind ging. Keine Formation klappte mehr. Zweier- oder Einerreihe war undenkbar und als wir Windkante fuhren war stets zu befürchten, den Vordermann auf dem eigenen Oberroh vor zu finden. Durch die Böen wurden wir immer und immer wieder zum Teil heftig seitlich versetzt. Ich wollte nicht mehr, aber es musste ja weiter gehen. Schließlich erreichten wir die Verpflegung auf Nordstrand. Diese Pause war auch nötig.

Etappe 5 – bis Kilometer 186 in Süderhafen

Diese Strecke war klasse. Wir fuhren geschützt hinter dem Deich mit Megarückenwind zwischen den Schafen, die sich zum Glück kooperativ zeigten. Ein Mamaschaf stellte sogar das Stillen ihres Kleinen mitten auf dem Weg ein. An der letzten Versorgung folgte die Überraschung. Vor uns sollten lediglich 5 Fahrer durchgekommen sein. Wir lagen also doch gar nicht so schlecht. Ein Platz unter den Top 11 war sicher. Nicht schlecht, oder?

Etappe 6 – bis Kilometer 207,96 in Husum

Das Ziel nahte und ein Top Ten-Platz bei einem Marathon ohne Wertung kann schon beflügeln. Der Wind kam nur noch von hinten und wir flogen mit gut 40 km/h in Bestzeit nach Husum. Das Ortsschild und die letzte Bergwertung gingen an Thomas. Beide wurden allerdings auch nicht ausgerufen. Das Tempo zog gerade im Ort noch mal an. Offensichtlich wollte jeder den sechsten Platz, den es ja gar eigentlich nicht gab, inne haben. Es war schon lustig, was man nach über 200 Kilometern noch so bewerkstelligen kann. Lange Rede kurzer Sinn, ich konnte zwar nur schwerlich ohne Schmerzen im Wiegetritt fahren und war auch schon reichlich matt, aber der imaginäre sechste Platz ging an das bo-racing-team.

Fakten und Daten

Fakt ist, das der Wind schon ziemlich unerträglich war und es auf jeder Etappe mind. eine Dusche von oben gab.

207,96 km

07:15:52 Nettofahrzeit

28,62 km/h im Schnitt

Jens

P.S.: Ob Husum wieder auf meinem Programm fürs nächste Jahr steht? Ich sage nur, Platz 6 ist bestimmt die Erinnerung, die haften bleibt.

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