Bei keinem anderen Nordcup war die Mission klarer als bei dem 4. Diesmal waren wir zu zweit und wollten alles geben. Felix wollte als mein Anfahrer fungieren und mit mir quasi über den Kurs pflügen. Das war der Plan und ich dachte, nach meinen diesjährigen Erfahrungen aus Oeversee und Husum sei er durchaus realistisch. Leider habe ich mich derbe getäuscht.
Pünktlich um 6 Uhr stand ich bei Felix auf der Matte und wir luden das Material in den Ford. Hier passierte bereits der erste Fehler, denn Felix vergaß seine Radbrille. Natürlich bemerkten wir dies erst in Nortorf.
Um 7.30 Uhr war denn auch schon der Start und die noch wilde Jagd konnte beginnen. Plangemäß fuhren wir schön weit vorn mit. Das Tempo empfand ich bereits nach lausigen 6 Kilometern als recht derbe. An der Spitze waren die Fahrer aus Büddelsdorf recht stark vertreten und zogen mächtig am Horn. Das war ja auch alles in unserem Sinne. Felix fuhr gut zwei Reihen vor mir und als ich in einem Kraftakt endlich meinen Vordermann, den ich irgendwie nicht vor mir haben wollte, überholt hatte, war kurzzeitig alles im Lot. Der Kurs wurde kurviger und die ersten Abzweigungen kamen. Vorn wurde nun mächtig nach jeder Richtungsänderung angetreten. Es kam wie es kommen musste. Ein Loch riss auf und ich war in Gruppe 2, während Felix schön in Gruppe 1 war. Da kein anderer Dummer zugegen war fuhr ich das Loch zu. Der zweite Kraftakt bei diesem Marathon. Wenige Meter später kam die erste nicht mal nennenswerte Steigung und raubte mir die letzte Kraft. Ich dachte ich stehe. So fiel ich also aus der Gruppe und konnte nicht mal um Hilfe schreien. Ok, mir war auch mehr nach einem Sauerstoffzelt als nach Bewegungen der Stimmbänder zumute. Man stirbt halt leise aber schnell auf dem Rad.
Als ich mich wieder gesammelt hatte, fing das linke Knie an zu schmerzen. Meine Laune sank, denn die komischen Bandagen hatte ich ja brav angelegt. Ich konnte mich aber wieder fangen und fuhr, wie ich fand, auch gar nicht so langsam durch die Gegend. Immer in der Gewissheit, dass Felix ja an der nächsten Kontrolle warten würde. Ich hetzte also durch Schleswig-Holstein und es ging schon besser. Ein Liegeradfahrer passierte mich und dann kam eine Gruppe mit drei Mann, mit denen ich fahren wollte. Allerdings kam auch wieder eine Steigung und nichts ging mehr. Ich dachte bereits ans kleine Blatt, aber so schlimm war es dann doch nicht. Halten konnte ich die Jungs trotzdem nicht.
Wenige Kilometer vor der ersten Versorgung in Embühren fuhr mich eine Gruppe auf, mit der es dann auch klappte. Hier war auch unser Vereinskollege Hauke mit dabei. An der Versorgung war dann auch Felix zu gegen. Ich schüttelte schnell ein paar Hände, ergriff eine Banane und machte mich mit Felix von dannen. Wir tauschten kurz unsere Erlebnisse aus und begruben schließlich unsere Taktik. Felix war klar als erster Fahrer an der Versorgung angekommen. Unterwegs wurde mit mächtigem Druck auf den Pedalen gefahren. Felix berichtete davon, dass die Kollegen aus Büddelsdorf teilweise in Einerreihe gefahren wären. Es ging wohl richtig zu Sache und als Felix letztlich das Tempo nochmals erhöhte, wurden die ersten ganz blass. Sein Schnitt bis zur Kontrolle, die bei km 35,60 war, lag bei satten 38,5 km/h.
Nun sollte es aber beschaulicher voran gehen, denn wir fuhren mein Tempo oder besser das Tempo von dem, was von mir übrig war. Reichlich mit den Nerven zu Fuss war ich am Zetern und Jammern. Es ist auch wirklich doof, wenn man sich etwas vornimmt und es dann so gar nicht gelingen will. Irgendwann spannte sich Felix vor mich und wir radelten über Henstedt, Jevenstedt, Bokel-Bahnhof, Ellerdorf zur Kontrolle nach Borgdorf bei Kilometer 72,80. Mein rechtes Knie fing auch an zu stechen und ich war wirklich nicht in meinem Element. Die Kontrolle war, wie nicht anders bei einem von Bernd Schmidt organisierten Marathon, perfekt ausgestattet.
Langsam ging es nun in bekanntes Gebiet. Über Dätgen und Grevenkrug erreichten wir Blumenthal und tauchten in unser eigenes Trainingsgebiet ein. Unglaublich wie nahe wir Kiel waren. Der Gedanke, die Waffen zu strecken, kam mir nicht nur ein Mal. Es war für mich unerträglich heiß und die Hügel um Schierensee, Annenhof und Rumohr waren um ein Vielfaches höher als sonst. In Flintbek nahm ich schließlich an, die Welt sei gegen mich. Es lief so was von überhaupt nicht, es war einfach unglaublich. Schön waren allerdings die zahlreichen Oldtimer, die uns auf dieser Strecke entgegen kamen. Ob wir allerdings in einer Gruppe mit anderen Fahrern waren, kann ich nicht mehr sagen. Felix machte jedenfalls die Pace und ich war froh, wenigstens im Flachen hinterher rollen zu können. Kurz vor Bissee hielt ich die Hitze kaum noch aus, ich genoss jeden Jota Schatten und jede noch so kleine Walddurchfahrt. Schließlich nahm ich kurz den Helm ab und trennte mich von meinem Kopftuch. Eine kluge Entscheidung, den nun war die Belüftung um ein Vielfaches besser.
Wir erreichten die Kontrolle in Wattenbek bei km 116,00 und durften erst mal diverse Hände schütteln. Hätte ich es nicht besser gewusst hätte ich gesagt, die RG-Kiel richtet diese Veranstaltung aus. Überall wuselten fleißige Helfer aus der Radwanderabteilung herum und schmissen die Kontrolle. Vor lauter Gesprächen und kühler Cola hätten wir fast das Abstempeln der Kontrollkarten vergessen. Zum Abschied gab es noch lauwarmes Wasser für meinen Trinkrucksack, der bereits leer war.
Wir durchfuhren nun Negenharrie, den Ort meines Abi-Balls vor gut und gern 12 Jahren. Die Kneipe gibt es also immer noch. Eigentlich hätte ich gedacht, nach dem Ball hätte der Wirt seine Konzession zurück gegeben. So kann man sich irren. Brauner Hirsch(kein Scherz), Hollenbek, Laaken, Gönnebek, Börnhöved, Tarbek und endlich die Warmverpflegung in Schmalensee. Hier wurde bei kalter Cola viel Leckeres geboten und ich fand etwas Zeit, um runter zu kommen. Hunger hatte ich leider nicht und so gingen die Hälfte der köstlichen Nudeln wieder zurück. Mein Pulsmesser zeigte immer noch lustige Werte an. Es war einfach nicht mein Tag.
Kurz nach der Verpflegung mussten wir noch mal rechts ran. Ich weiß zwar nicht wie, aber ich hatte einen Stein im Schuh. Die Hitze wurde für mich immer schlimmer. Ich meine, so ab Kilometer 155 fing ich dann mit regelmäßigen Duschen aus der Trinkflasche an. Ich empfand es als ungemein erfrischend und das Zeug roch ganz nett nach Himbeere. Leider klebte es auch wie Sau, aber das war zu diesem Zeitpunkt egal. Nach Wankendorf, Schönhagen, Gr. Buchwald folgten schließlich wieder die Hügel bei Bissee und es lief wieder mal so richtig gar nicht.
Bei Km 180.90 waren wir wieder in Wattenbek. Noch immer war alles fest in der Hand der RG-Kiel. Nach dem ich mich aus den Kniebandagen gepellt hatte und wieder Luft an meine Beine kam, fuhren wir weiter. Diese letzten Kilometer waren noch mal richtig ätzend. Ich bekam kaum die Kurbel über ihren Todpunkt gewuchtet und war reichlich angenervt. Aus meiner Sicht zog sich dieser Marathon extrem dahin. Nach Bordesholm, Schmalstede, vielen vielen kleinen Steigungen und viel Gejammer meinerseits erreichten wir Krogaspe, Timmaspe und endlich, endlich das Ziel in Nortorf.
Ich saß nun stumpf auf der Wiese, während Felix den Wagen belud. Ohne viele Worte machten wir uns auf dem Heimweg.
Erkenntnisse:
Ich fahre lieber, wenn es kalt ist und es war nicht mein Tag.
Dieser Marathon lohnt sich, denn Strecke und Organisation sind toll.
Im nächsten Jahr wird alles besser (für mich).
Daten und Fakten:
Distanz: 208,84 Kilometer; Stundenmittel: 31,58 km/h; Nettofahrzeit 06:39:55 Stunden
Jens
Einträge (RSS)