Am letzten Wochenende fand in München die größte 24h Veranstaltung Europas statt. 2000 Teilnehmer verteilten sich auf 600 Teams. In der Solo Klasse starteten allein 140 Fahrer. Darunter viele bekannte Namen der 24h MTB Szene.
Am Freitag fuhr ich mit meiner Freundin nach München. Zum Glück guckte ich mir nachdem ich die Startnummer abgeholt hatte noch die Lager für die Einzelfahrer an. Es zeigte sich das dort der Platz viel zu gering bemessen war und der Platz schon jetzt fast vollständig belegt war. Da unser Hotel direkt neben dem Olympiapark lag, konnten wir unser Auto dort lassen und uns so einen brauchbaren Stellplatz sichern.
Pünktlich um 13 Uhr am Samstag ging es auf die 9,7km Runde mit ca. 140hm. Die verschiedenen Teams waren auf mehrere Startblöcke verteilt. Wir Einzelfahrer durften als erstes auf die Strecke. Bereits in der ersten Runde vermischten sich die Starterfelder und man verlor den Überblick über seine Position. Dies war mir aber ganz recht. Ich konnte mich so auf mein Tempo konzentrieren und lief so nicht Gefahr mich auf sinnlose Positionskämpfe einzulassen.
In den ersten Stunden versuchte ich möglichst Kräfte schonend die Runden hinter mich zu bringen. Bei über 30Grad musste man sehr genau auf die Flüssigkeitszufuhr achten. Beim letzten 24h Rennen bekam ich sehr früh Magenprobleme durch zu viel Elektrolyt Getränke. Ich hielt mich diesmal vorranging an Wasser und griff nur alle paar Stunden zur Iso Flasche.
Trotz der zahlreichen Höhenmeter ließ die Strecke eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit zu. Um 21Uhr nach 8h Fahrzeit hatte ich bereits 180km und 19 Runden auf dem Tacho. Ab 21Uhr war Beleuchtung auf der Strecke vorgeschrieben, so dass ich zur ersten kurzen Pause hielt. Bei der Gelegenheit griff ich dann auch zu einer Portion Nudeln. Nach 25min Standzeit ging es dann erneut auf die Strecke. Die kühleren Temperaturen waren sehr angenehm und ich fand nach der Pause recht schnell wieder in meinen Rhythmus.
Bis 2Uhr in der Nacht konnte ich mein Tempo ohne größere Unterbrechungen halten. Dann wurde das fahren aber schwerer, ich bekam immer mehr Probleme mit dem Nacken, den Armen und den Schultern. Ich konnte in den schwierigeren Abfahrten den Lenker nicht mehr halten und auch in den Anstiegen nicht mehr richtig am Lenker ziehen. Ich musste also erneut eine Pause einlegen. Eva versuchte meinen Nacken etwas aufzulockern und nach einer weiteren Portion Nudeln ging es nach 20 Minuten Standzeit erneut auf die Strecke. Leider hat das auflockern nur für eine Stunde gehalten, danach waren die Probleme erneut da. Mir blieb also nichts anderes übrig als eine längere Pause einzulegen. Für gut 30 Minuten legte ich mich zum schlafen ins Zelt. Danach ging es mir schon deutlich besser und ich ging in der Morgendämmerung nach einer Stunde Standzeit erneut auf die Strecke. 2 Runden später konnte ich mich schon von meiner Beleuchtung befreien und fand so langsam wieder meinen Rhythmus. Ab jetzt kontrollierte Eva regelmäßig die Platzierungen. Ich lag nach meiner Schlafpause noch immer auf Platz 10 und wollte natürlich auch gerne eine Top 10 Platzierung halten. Ich konnte mich Stück für Stück bis auf Platz 8 nach vorne arbeiten und hatte 4h vor Schluss ein Polster von 3 Runden auf Platz 10 herausgefahren. So konnte ich ohne viel Stress in die letzten Runden gehen und ich beobachtet nur noch die Fahrer direkt vor und hinter mir. 15 Minuten vor dem Ziel wurde dann für alle Fahrer die letzte verkürzte Runde eingeläutet.
Am Ende reichte es mit 45 Runden und 440km für den 8. Platz in einem der am besten besetzten Einzelrennen in Europa. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und ich konnte die Standzeiten gegenüber dem letzten 24h Rennen reduzieren. Ich werde mich aber im Training mit meiner Arm- und Schultermuskulatur beschäftigen müssen. Dies war mein einziges wirkliches Problem bei diesem Rennen, die Beine haben sich über die ganzen 24h wirklich gut angefühlt. Etwas ernüchternd ist aber doch, wie viel besser die Jungs da ganz vorne fahren. Die fahren gar nicht so viel schneller, aber sie fahren halt ohne einen einzigen Stopp. Die beiden Sieger sind 13 Runden und etwa 120km mehr gefahren als ich. Das ist schon ganz schön viel. Aber gut, der eine von beiden ist wohl auch nicht ohne Grund Weltmeister.
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