Das Rennen lief zu Anfang ganz gut. Das Wetter war am Samstag optimal, nicht zu warm und nicht zu kalt. Nach dem Start stürmte Andre K. direkt davon. Bereits nach der ersten kompletten Runde hatte er einen Vorsprung 3min auf mich herausgefahren. Das hat er auch die letzten zwei Jahre beim Start so gemacht und er musste immer eine größere Pause einlegen. Da ich das Tempo sowieso nur einige Stunden ausgehalten hätte, versuchte ich gar nicht erst hinterher zu fahren. In der zweiten Runde fuhr dann auch noch Martin M. an mir vorbei. Er ist auch schon einige Jahre in Duisburg dabei und war vor 2 Jahren 2. geworden. Ich hatte mir aber seine bisherigen Saisonergebnisse angesehen und ich ging eigentlich davon aus das ich schneller bin als er.


Ich sortierte mich also auf Platz 3 zusammen mit Michael G. (dem späteren Sieger) ein. Wir fuhren fast das gleich Tempo, allerdings hatte er keine Betreuung dabei. Er musste also immer mal seine Flasche bei der Verpflegung abgeben und sie in der nächsten Runde wieder einsammeln. Immer wenn ich durch so eine Pause einen kleinen Vorsprung hatte, habe ich Vorsichtig das Tempo angezogen um ihn so eventuell Müde zu fahren. Leider konnte ich mich beim besten Willen nicht daran erinnern was das „Gegner-Googlen“ bei seinem Namen ausgespuckt hat. Im Nachhinein gab es wohl nicht so viele aktuelle Ergebnisse, nur ein 4. Platz bei den 24h in Mainz Anfang des Jahres hätte mir einfallen müssen.
In den ersten 5h veränderte sich nicht viel. Ich tauschte immer mal wieder die Position mit Michael und wir fuhren so vor uns hin. Nach 5h tauchte dann Martin wie schon erwartet vor uns auf und verschwand direkt wieder nach hinten. Ich wechselte mich also jetzt mit Michael um Platz 2 ab. Es zeigte sich aber so langsam, dass er wohl schneller ist als ich. Wir blieben nur durch meinen „Betreuervorteil“ zusammen.
Um kurz vor 21Uhr stand dann die Montage der Beleuchtung an. Mit 3,5min Standzeit gehörte ich wohl zu den schnellsten beim Boxenstop. Der Führende legte eine Pause von mehr als einer Stunde ein und auch mein Begleiter brauchte ohne Betreuung 7min länger als ich. Ohne es zu merken ging ich also zum Einbruch der Nacht in Führung. Nach etwa 2 Runden mit Beleuchtung fuhr Andre erneut an mir vorbei. Ich ging davon aus, dass er nun 2 Runden Vorsprung hat (er hatte mich am frühen Abend schon einmal überrundet). In Wirklichkeit hat er sich hier erst eine Runde zurück geholt und hatte noch immer Rückstand auf mich. Weiter 3 Runden später hakte dann meine Schaltung in einem Anstieg etwas. Ich zog hier und da ein bisschen und dachte es sei alles wieder gut. 20 Meter später dann wieder das gleiche. Erst da erkannte ich warum das Schaltwerk immer nur leichter und nicht schwerer schalten konnte. Die Feder in meinem XO Schaltwerk war gebrochen. Kurzzeitig sah ich mich schon im Zelt liegen und schlafen. Aber so ganz einfach wollte ich dann meine Platzierung doch nicht aufgeben. Ich fuhr also irgendwie, mit den mir zur Verfügung stehenden Gängen, weiter bis zur Zieldurchfahrt. Dort wurde ich mit „hier kommt der führende in der Solo Wertung“ Begrüßt. Ich wusste bis hier nicht das ich in Führung liege und es fühlte sich schon etwas blöd an jetzt in Richtung Service Zelt abzubiegen.
Nach einigen Minuten suchen und fragen fand ich dann einen Stand von einem Duisburger Fahrradladen. Die Jungs hatten tatsächlich irgendwo in einer Kiste ein X7 rumliegen. Während sie also das Schaltwerk tauschten lief ich zu Eva, die schon etwas nervös wurde und besorgte Geld. Nach 30 Minuten konnte ich dann die Boxengasse wieder verlassen und war wieder im Rennen.
Das Rennen war noch lang und ich versuchte jetzt nichts zu überstürzen. Die Zeit war weg, daran konnte ich nichts ändern. Eva machte mir also ein paar Nudeln fertig und ich legte nach 10h Rennzeit die erste Verpflegungspause ein. 4 Minuten brauchte ich für meine Nudeln und 0,3l Cola. Dann ging es direkt weiter. Eva hatte mir pünktlich zu den Nudeln neue Zwischenzeiten besorgt. Leider keine guten Nachrichten. Ich war durch meinen Stopp auf den 3. Platz zurückgefallen. Leider war Andre aber auch noch hinter mir. Von ihm wusste ich ja, dass er schneller ist als ich. Auf den führenden hatte ich nun schon 1,5 Runden Rückstand, aber Martin auf Platz 2 lag noch in meiner Runde. 2h später hatte ich ihn eingeholt und ich konnte im Sog eines Teamfahrers an ihm vorbeiziehen, ohne das er es bemerkte. :)
Die nächsten Stunden zog ich gleichmäßig meine Runden. Um 2Uhr Morgens gab es dann die nächsten Nudeln. Auch hier konnte ich mich verbessern und so brauchte ich diesmal nur gut 3 Minuten.
Nachdem am Abend schon ein paar vereinzelte Tropfen vom Himmel gefallen sind, fing es um 3 Uhr das erste mal richtig an zu regnen. Gleichzeitig holte mich Andre wieder ein. In den nächsten Stunden setzte der Regen immer mal wieder aus, so dass man ständig die Jacken wechseln musste. Da auch Andre immer mal wieder stoppte, wechselten wir uns bis etwa 5Uhr Morgens um Platz 2 ab. Ab 5Uhr brauchte man dann nicht mehr Regenbekleidung wechseln, denn ab jetzt regnete es einfach durch. Andre fuhr mir davon und zu allem Überfluss ging meine Lampe dann nach 8h auch noch aus. Im letzten Jahr konnte man hier schon um 4:30 ohne Licht fahren, in diesem Jahr war es durch das Wetter um 5:30 noch richtig dunkel. Ich suchte also meinen Helm mit Helmlampe aus dem Auto und startete so wieder in die Morgendämmerung.
Ab jetzt wurde das Rennen immer schwerer. Das Wetter war wirklich mies, die Strecke wurde immer schlechter und ich hatte in einigen Abfahrten mit meinen Schönwetterreifen ziemlich zu kämpfen. Außerdem konnte Horst Jung (Platz4) immer weiter zu mir aufholen. Vor 2 Wochen ist er in Ruhpolding Masters 3 (ja die 50+) 24h Weltmeiser geworden. Er hat viele Jahre 24h Erfahrung und ich machte mir ernsthaft sorgen um meinen Platz auf dem Treppchen. Da er eine Runde Rückstand auf mich hatte, musste ich nur irgendwie an ihm dran bleiben. Diese 2h an seinem Hinterrad waren wirklich die schwersten des ganzen Rennens. Mir ging es nicht mehr wirklich gut und ich musste ziemlich kämpfen um ihm zu folgen. Als er erkannte das er mich nicht abschütteln konnte, fingen wir das lockere klönen an. So brauchte ich wenigstens nicht mehr ganz so hetzen. Anhalten war trotzdem nicht drin, denn dann hätte er bestimmt noch versucht sich die Runde zurück zu holen. Nach 22h bog er dann zu meiner Erleichterung in Richtung Dusche ab. Ich war mir nicht sicher wie viel Rückstand der 5. Platz auf mich hatte. Aber ich brauchte nun nicht mehr so schnell fahren, sondern nur noch die letzten 2 h hinter mich bringen. 1h vor dem Schluss wurde dann zum Glück auch noch die Schlammabfahrt aus der Strecke genommen.
Gut 15 Minuten nach der Zieldurchfahrt hörte der Regen dann auch auf und begann erst wieder als wie das Zelt abbauen wollten. :(

Für den ersten Platz hätte es auch ohne Defekt nicht gereicht. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Rennen. Durch das Wetter war es sicher das bis jetzt schwerste 24h Rennen für mich. Ich konnte meine Pausenzeit deutlich verringern und ich bin fast die ganze Zeit über sehr konstante Runden gefahren. Von den 24h saß ich 23h auf dem Rad. 30 Minuten hat mich der Defekt gekostet und 30 Minuten verteilten sich auf die paar wenigen Pausen für die Verpflegung, Lampen und umziehen.

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