Es kam der Tag, an dem sich der erste Mittwoch im Monat näherte. VETERANENRUNDE !!! Etwa drei Tage vorher meldete sich ein Mitglied der Gruppe und fragte vorsichtig, ob es denn nun losgehe, und wann und wie das Wetter denn so sei. Es wurden anscheinend Wettervorhersagen studiert und gefachsimpelt, man kam überein dass Fahrradfahren im Regen doof sei und so weiter. Man beschloß aufgrund der Wetterlage die Tour um eine Woche zu verschieben.

Der Schreiberling fand sich damit ab und war eigentlich auch ganz froh, konnte er sich doch dann in der freien Zeit um andere literarische Ergüsse kümmern. Genau einen Tag (noch genauer 20 Stunden) vor dem ursprünglichen Regeltermin nahm die Geschichte mit dem Post von, nennen wir es, Mitglied-A eine unerwartete Wendung. Ich möchte an dieser Stelle den weiteren Diskussionsverlauf gerne (frei) zitieren:

Mitglied-A: ich sag euch diesen Mittwoch regnet es gar nicht – Mitglied-B: sag ich doch – Mitglied-C: soll ich das Bike einpacken für morgen – Mitglied-D: ich hätte Zeit, muss nur die Lampe aufladen – Mitglied-D: Lampe hängt am Ladegerät – Mitglied-E: Lampe… ich glaube der Akku ist durch – Mitglied-A: achja Lampe, ich hab morgen auch Zeit – Mitglied-D: naja wird ja kein Nightride, eher um nach Hause zu kommen – Mitglied-C: also ja oder ja? Dann häng ich die Lampe auch noch ran – Mitglied-C: und wo überhaupt? – Mitglied-D: Ja… wann geht es los? – Mitglied-C: könnte um 14:30 Uhr Schluss machen – Mitglied-D: wenn wir pünktlich loskommen schaffen wir eine letzte Sonnenuntergangssteilküstenrunde (Bemerkung des Schreiberlings: Ich glaube in diesem Moment stand die Route fast fest) – Mitglied-C: BINGO – Mitglied-C: 16:00 Uhr in Kiel? – Mitglied-D: sollen wir von hier fahren, oder wollen die Autofahrer lieber dichter dran starten? – Mitglied-C: wie lang ist denn die Runde noch? – Mitglied-D: direkter Weg hin und Steilküste zurück sind 50 – Mitglied-A: klingt gut – Mitglied-C: easy – Mitglied-C: passt denn 16:00 Uhr oder zu früh? – Mitglied-D: nee ist super – Mitglied-D: was ist mit den Anderen? – Mitglied-A: bei mir passt 16 Uhr – Mitglied-A: ich texte mal Mitglied-F an (Bemerkung des Schreiberlings: Mitglied-F konnte sich an dieser Diskussion nicht beteiligen, da ihm die notwendige Software auf seinem Mobiltelefon fehlte, Info an alle: wir sollten gemeinschaftlich sammeln und Mitglied-F die Software zur Verfügung stellen) – Mitglied-D: was ist mit Mitglied-E und Mitglied-B? – Mitglied-E: 50 ist n Klacks, dabei! Hab Urlaub, kann immer – Mitglied-E: ich fang schonmal an zu essen – Mitglied-A: :) – Mitglied-A: wo isn Treff? – Mitglied-B: ihr seid ne Truppe, also Lampe kriege ich nicht mehr geladen, ich hab nur ein Positionslichtlein vorne – Mitglied-D: wenn wir 16 Uhr losfahren reicht das – Mitglied-E: me2 – Mitglied-A: ich könnte sonst sicherheitshalber noch eine für den Helm mitbringen, aber ist ja bis 19 Uhr hell (Bemerkung des Schreiberlings: Mitglied-A war das einzige, das dann kein Licht für vorne dabei hatte)… Es ging noch einige Zeit so weiter aber schließlich hatte man sich auf Abfahrtszeit und -ort geeinigt.

Es trafen sich also, mitten im Wald aber doch in Kiel, die Veteranenrunde: Anke, Andreas, Chriz, Felix, Lukas und ich (der Schreiberling). Während wir auf Nachzügler warteten haben wir die Gelegenheit genutzt und unsere ‚Planungs- und Verabredungskonversationen‘ noch sicherer gemacht, indem wir fleißig QR-Codes ausgetauscht haben. So können wir noch sicherer sein, dass unseren Schwachsinn kein Geheimdienst der Welt mitlesen kann (außer vielleicht die Schweizer, aber die interessiert das sowieso nicht).

Nachdem der letzte Mitstreiter eingetrudelt war haben wir uns umgehend auf den Weg gemacht, Felix hat geführt, er kannte die Strecke… Über die Holtenauer Hochbrücke haben wir auf die Nordseite des Kanals gequert und sind dort ein ganz kleines Stück am Kanal entlang gefahren. Am Gut Projensdorf haben wir den Kanal dann verlassen und sind einen schönen Trail am Alten Eiderkanal entlang gefahren. Den Trail kannte ich von früher, von einer kleinen Wanderung. Ich war sehr positiv überrascht, dass der Pfad jetzt in einem super Zustand war. Echter Singletrail und komplett fahrbar – hat Spaß gemacht! Es ging dann nordwärts Richtung Holliner und Knooper Holz. Hier hat der Regen das erste Mal versucht, seine grauen, knorrigen Hände nach uns auszustrecken um uns festzuhalten und nass zu machen… ist ihm aber nicht gelungen, wir waren wohl einfach zu schnell. Vielleicht haben wir aber auch einfach zu viel Schwachsinn geredet, und er hat sich deshalb wieder verzogen. Es kam jedenfalls wieder die Sonne raus.

Über Krück sind wir weiter Richtung Norden durchs Kaltenhofer Moor gefahren. Danach mussten wir ein bißchen auf der Landstrasse bleiben, aber dank lockerer Plaudereien und entspannter Autofahrer funktionierte das alles problemlos. Über Krusendorf sind wir nach Jellenbek weiter bis an die Ostsee gefahren, wo wir dann ostwärts auf den Steilküstenweg abgebogen sind. Am Campingplatz Surendorf vorbei ging es dann erstmal auf befestigten Wegen parallel zum Strand weiter. Der kleine Hunger kam bei dem Einen oder Anderen durch und so wurde kurzerhand eine Bank okkupiert und ein kleines Päuschen eingelegt. Das tat guuut… Denn kurz darauf ging es durch tiefen Sand und über Treppen weiter an der Steilküste entlang. Es wurde waldiger und steiler und die Pfade teilten sich das ein oder andere Mal. Man musste aufpassen nicht plötzlich den falschen Abzweig zu nehmen und 20 Meter weiter unten zu landen. Wir fuhren an Dänisch-Nienhof und an Stohl vorbei, bis wir schließlich wieder festen Boden unter die Stollenreifen bekamen – die Buckelpiste war geschafft! (War die Buckelpiste eigentlich schon immer so buckelig oder kam mir das nur so vor? Und, lag es daran, dass ich älter geworden bin oder daran, dass ich früher immer mit dem Fully solche Touren gefahren bin??? ) Keine Ahnung! :)

An den stinkenden Eiern und am Leuchtturm Bülk vorbei ging es weiter nach Strande und Schilksee, wir passierten einen Fischbrötchenstand (Memo: nächstes Mal anhalten und was kaufen!) Der Weg führte uns nach Friedrichsort, es wurde so langsam Zeit die Fahrradlampen anzuschalten. In Friedrichsort erwischte uns die graue, knorrige Hand des Regens doch noch. Wir konnten uns aber unter ein Vordach retten, so dass wir nicht ganz so nass wurden. Dort trafen wir einen kleinen, weißen Hund auf Speed (ein winziger Pudelverschnitt) und sein Frauchen mit Gehwagen. Wir erfuhren, dass man so einen Hund alle paar Wochen scheren muss, dass man dafür einen Hundefriseur aufsucht und dass das Ganze jetzt drei Euro mehr kostet, da dieser den Hund ja coronabedingt vorher waschen muss… Oma hatte Zeit und Lust zu reden. Glücklicherweise hörte der Regenschauer in diesem Moment auf, so dass wir leeeider weiter mussten.

Am ehemaligen MFG-5 Gelände vorbei ging es weiter Richtung Heimat und es wurde beschlossen den Kanal nicht über die Hochbrücke zu queren, sondern den guten, alten Schuhkarton, sprich die ‚Fähre‘ Adler I zu nehmen. Wir fanden fast alle, das war eine super Idee! Entsprechend lang wurden einige Gesichter als wir nach gefühlten 85 km Kanalstrasse in Holtenau endlich an der Anlegestelle ankamen. Keine Fähre zu sehen, freundlicherweise hing dort ein Schild mit dem Hinweis, dass sich Adler I seit dem 5. Oktober in der Werft befindet – das nenne ich mal: Pech gehabt!

So mussten wir uns also doch auf den Weg Richtung Hochbrücke machen und im ZickZack die steilen Serpentinen erklimmen, um oben über den Kanal zu fahren. Kurz hinter der Brücke teilten wir uns, zwei der Veteranen schlugen den Weg Richtung Innenstadt ein, der Rest fuhr dann weiter zum heutigen Startpunkt. Ein Mitglied hatte das unglaubliche Glück, direkt am Startpunkt zu wohnen, so daß er sich schnell verabschieden konnte. Er konnte als Erster von uns seine müden Beine hoch legen, und das Gläschen Rotwein, das auf ihn wartete, genießen. Felix und ich mussten noch durch den dunklen Wald Richtung Projensdorf, wo mein Auto parkte. Leider erwischte uns der Regen auf halber Strecke dorthin abermals, dafür dann aber so richtig… Beim Auto angekommen hörte er pünktlich wieder auf, so daß ich das Fahrrad in aller Ruhe verladen konnte. Entgegen der Vorhersagen hielt sich die Wasseraufnahme an diesem Tag in Grenzen, am Ende hatte ich 58 km auf der Uhr stehen, d. h. wenn wir uns weiter so steigern knacken wir dieses Jahr noch die 100 km Tourlänge… na ja, man muss es ja nicht übertreiben. Ich freue mich jedenfalls schon auf Tour III

Beste Grüße, Jörn.

Hinterlasse einen Kommentar